Verpassen Sie Ihrer Führung einen Mind-Change

Auch vor Corona haben wir in Deutschland schon seit längerem an einem Scheidepunkt gestanden – die Erkenntnis, dass wir mit unseren bisherigen Führungskulturen, -stilen und -einstellungen in diesem disruptiven Umfeld nicht zukunftsfähig aufgestellt sind, ist in vielen Organisationen bekannt, aber neue Wege werden verhalten angegangen, auf den falschen Ebenen gestartet und es wird in einzelnen Methoden und Instrumenten gedacht und nicht in einem grundlegenden Mind-Change. Denn wer als Top-Führungskraft weiterhin an die nächste Dividende für Shareholder denkt oder vom System aus denken muss, wird sich nicht auf den Weg in innovationsfreudige Arbeitswelten, motivierende Mitarbeiterbindungen und transformationsoffene Rahmenbedingungen machen. Mit der Konsequenz, dass Unternehmen damit erheblich an Innovationskraft im globalen Wettbewerb und Attraktivität als Arbeitgeber eingebüßen.

Führungskräfte müssen endlich verstehen, dass sie primär Menschen managen und nicht Aufgaben und Prozesse – das machen dann hauptsächlich die Mitarbeiter. Sie müssen weiterdenken, dass Menschen die zum Beispiel Digitalisierung, aber nun auch Krisenantworten auf Corona nicht nur umsetzen, sondern mitgestalten sollten. Denn sonst haben wir keinen Wettbewerbsvorteil, wenn wir uns allein in die digitale Abbildung unserer momentanen Prozesse ergehen oder in das einfallslose Credo „Zurück zu vor Corona“.

Führungskräfte mit emotionaler Reife sind Veränderungen und Krisen besser gewachsen

Die Huffington Post hat schon letztes Jahr in einem Beitrag getitelt „Führung in der Transformation braucht emotionale Reife“ und vertieft geschrieben, dass „bei all den Veränderungen und Unsicherheiten der heutigen Businesswelt Führungskräfte ihre Mitarbeiter richtig mitnehmen müssen, ansonsten kann die digitale Transformation nicht gelingen“. Natürlich müssen Mitarbeiter rational und emotional auf die spannende digitale Reise mitgenommen werden. Eine Erkenntnis von Corona ist doch, dass es schneller geht als gedacht, wenn die Zeiten es verlangen.

Es ist aber zu kurz gedacht. Denn wollen wir die Digitalisierung intelligent für den Menschen nutzen? Wollen wir aus der Krise sinnvolle Schlüsse ziehen? Wo doch alle von Purpose reden? Dann sollten Mitarbeiter nicht nur mitgenommen werden, sondern eben auch mitgestalten dürfen. Warum vertrauen wir in Deutschland nicht mehr auf unsere „Tugenden“ – Denker, Erfinder, gute Organisierer? Und das gilt es, in unseren Mitarbeitern zu wecken, und das gilt es, dann zu nutzen. Ja, das braucht emotionale Reife, die eigene und die Unsicherheit des Teams aushalten zu können und mit Ängsten umgehen zu können; das braucht tieferes Verständnis von Menschen, das den Mitarbeitern die Freude am Ausprobieren und die Neugier möglich macht (siehe auch Empowerment braucht Beziehung); das braucht ganz gewiss Souveränität und Selbstbewusstsein, um Fehler ertragen zu können, Erkenntnisse daraus gewinnen zu können und Fehlertoleranz vorleben zu können.

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Wichtige Eigenschaften, die auf Souveränität einzahlen

Es ist verständlich, dass wir gerade in Krisenzeiten an momentan noch einigermaßen laufenden Systemen in der Führung festhalten – bei all der Veränderung um uns drumrum. Das ist erstmal menschlich, und Unsicherheit darf sein. Sie sollte aber nicht der alleinige Ratgeber sein, Führungskräfte sollten auf ihre Stärken vertrauen, sie sollten sie vor allem kennen. Denn das merke ich in all meinen Coachings immer wieder, berufliche Leistungen werden selten mit tatsächlichen eigenen Fähigkeiten verbunden, so dass sie in unsicheren Situationen und unter Druck diese nicht zur Stärkung der eigenen Selbstwirksamkeit nutzen können. Gelassen und souverän agieren, kann ein Mensch nur, wenn er weiß, was für Ressourcen und Potentiale in ihm selbst bereitstehen (siehe auch CEOs wünschen Coaching). Darum sind Führungsentwicklungsprogramme mit unterschiedlichen Maßnahmen aktuell so wichtig wie selten zuvor.

Denn gerade hat Corona ein Fenster geöffnet, dass wir im Business für neue Ansätze und neue Wege nutzen können, und es wäre sträflich, den Lockdown nicht zur Reflexion zu nutzen, wo wir sehen, dass Geld allein noch nicht mal mehr unsere Existenz sichern kann. Ein Virus macht auch davor nicht halt.

Also, bleiben Sie neugierig! In allen Veränderungen, ob beruflich oder persönlich, gibt es jede Menge Chancen – wir müssen sie nur sehen.